Wanderbuch: Rachel Joyce – Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry


Der Start

Etappe 1: Wesseling

Hier lag das Buch eines Tages auf meinem Briefkasten, ganz überraschend, von hier aus wird es auf die Reise gehen. Ich habe es gelesen und ein Bücherhighlight entdeckt. Rezensiert hab ich es auch. ;-)

Etappe 2: Bad Homburg – Ober-Eschbach

Bei Steffi. Der hats auch sehr gefallen:

Mal eben Zigaretten holen gehen und nicht mehr zurück kommen…das ist nichts Besonderes…aber mal eben einen Brief einwerfen gehen und dann mehr als tausend Kilometer zurücklegen wohl schon.

Harold Fry bekommt einen Brief von seiner ehemaligen Kollegin Queenie, zu der er seit 20 Jahren keinen Kontakt mehr hat und die ihm mitteilt, dass sie unter Krebs leidet und in einem Hospiz lebt. Harold tut sich schwer, auf den Brief zu antworten und möchte das Antwortschreiben schnell zum Briefkasten bringen. Doch dort angekommen, merkt er, dass das nicht reicht. Und so läuft er…zum nächsten Briefkasten, an der Postfiliale vorbei…und letztendlich beschließt er, zu Queenie zu laufen, weil er sich sicher ist, dass sie lebt, solange er läuft. Unterwegs lernt er viele unterschiedliche Menschen kennen und wird eine Berühmtheit. Die Beziehung zu seiner Frau Maureen ändert sich total…doch mehr, will ich hier nicht verraten.

Eine sehr rührende und zum Nachdenken anregende Geschichte, dabei aber keineswegs schnulzig.

Etappe 3: Bremen

Bei Joey. Der hats auch gefallen – und die schreibt mir bestimmt noch ein paar Zeilen dazu. Sonst gibts Keksentzug ;-)

Etappe 4: Dresden

Bei Bianca. Und weil Bianca nicht alleine bloggt, sondern im Team mit Arndt, hat sie den auch dazu überredet, mt Harold Fry auf Wanderschaft zu gehen. Hat er dann auch gemacht, und herausgekommen ist ein – wie immer – sehr bewegender Artikel der beiden.

Also ist Harold Fry auf der 4. Etappe auch noch kurz in die Nähe von München gepilgert. Der Mann kommt ganz schön rum.

Etappe 5: Immer noch in Dresden – weil es hier so schön ist.

Bei Stundenblume

Auch Stundi war sehr begeistert und hat mir was zum Buch geschrieben.

Harold Fry und seine Frau Maureen haben sich nichts mehr zu sagen. Ihr Sohn ist weg, Maureen schon seit langem ins Gästezimmer umgezogen und Harold seit kurzem im Ruhestand. Maureen und Harold giften sich schon lange nur noch an. Da kommt eines Tages ein Brief für Harold, von Queenie Hennessie: Sie hat Krebs und möchte sich verabschieden. Harold ist geschockt, Maureen fehlen die Worte, viel mitleid hat sie jedoch nicht.
Harold möchte den Brief sogleich beantworten. Jene Worte, welche ihm einfallen, erscheinen ihm als falsch, daher fällt der Brief sehr knapp aus. Maureen kommt auch nicht dazu ihn zu lesen, nicht dass sie es nicht probiert hätte. Harold hat ihn schnell geschlossen und bringt ihn sogleich zum Briefkasten. Er schnappt sich nur schnell seine Regenjacke und schlüpft in die Segelschuhe. Sogar sein Handy lässt er Zuhause.
So läuft er zum Briefkasten. Doch dieser ist zu Nahe, also läuft er zum nächsten und ihm ist es wieder zu schnell gegangen, so läuft er bis zum Nachmittag. Und dann ist er los gelaufen, ohne es geplant, sich bewusst gemacht oder es gewollt zu haben. Dem Leser bleibt nur, ihn auf dieser spannenden Reise zu begleiten.
Ein toller Roman, er hat die verschiedensten Gefühle in mir geweckt.

Ganz persönlich gibt es eine dicke Leseempfehlung von mir. Ich finde Sprache, Geschichte und dadurch geweckte Gefühle, Erinnerungen und Erkenntnisse sind für jeden wünschenswert.
Die Autorin versteht es Spannung auf zu bauen und ich war überrascht, wie fesselnd sie dieses Thema umgesetzt hat. Sprache und kleine besondere Details der Figuren überzeugen, begeistern, geben dem Diamanten einen Schliff. Alles in allem ist der Stoff „Pilgerreise“ in einer wunderbar Gedanken beflügelnden, fortschrittlichen Art umgesetzt.

Ganz persönlich kamen mir Gedanken:
Ich habe nach Jahren endlich ein bisschen Verständnis für meine Großeltern aufgebracht, welche zu ihrem Sohn eine ähnliche 20-jährige Beziehung haben wie Mr. Und Ms. Fry zu ihrem.
In mir ist der Wunsch gewachsen, selbst eine Weile allein zu laufen, mich zu erinnern und manche Erinnerungen dann auch hinter mir zu lassen.
Es gab Erkenntnisse. Manche nahe am Buch, z.B. dass der Tod immer nur denen weh tut, welche zurück bleiben, weshalb auch diejenigen, welche zurück bleiben alles dafür tun das Leben der gehenden zu verlängern. Manche nur dem Buch zugeordnet, da sie während dem lesen kamen.
„Seit ich ganz klein war habe ich mich gefragt, was das ist, mit den Erwachsenen die immer weg schauen wenn ein Kind schlecht behandelt wird. Heute habe ich es erlebt, habe meine ganz persönliche Erkenntnis gehabt. Ich wollte mir die Ohren zuhalten als ich hörte wie eine Frau ein Kind anbrüllte und jenes Kind daraufhin sofort anfing zu weinen. Ein Familienstreit brach aus und ich dachte mein Herz zerspringt, Mitleid, Machtlosigkeit, dass ist es was einen weg schauen lässt, das Gefühl so viel Leid nicht ertragen zu können, das Gefühl selbst zu zerbrechen auch wenn man „nur“ Zuschauer ist.“


Am Ziel – Zurück in Wesseling

Heute ist Harold Fry wieder wohlbehalten, aber mit einigen wunderschönen Spuren bei mir angekommen. Vielen Dank für dieses wundervolle Erlebnis – Steffi, Joey, Bini, Arndt und Stundi.

Und vielen Dank an den Fischer Verlag, der mir dieses Juwel so unvermutet und überraschend vor die Tür und in mein Herz gelegt hat.

 

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