✰ Bruno Apitz – Nackt unter Wölfen

Als Nackt unter Wölfen 1958 erschien, wurde der Roman unerwartet zum Welterfolg – und in 30 Sprachen übersetzt. Trotz allem blieb die Kritik nicht aus. Über 50 Jahre später bringt der Aufbau-Verlag den Roman nun neu heraus, in einer überarbeiteten Fassung und mit Anhang – sechs Texten von Bruno Apitz selbst und einem Aufsatz der Historikerin Susanne Hantke. Und lässt den Text in ganz neuem Licht erscheinen.

1945 wird, versteckt in einem Koffer, ein dreijähriges Kind ins KZ Buchenwald geschmuggelt. Es ist dem Tode geweiht, denn wenn die SS es findet, werden sie es töten. Man könnte es verstecken, mit Hilfe des illegalen Lagerkomitees, einer internationalen Gruppe von Kommunisten, doch das Risiko, selbst dabei erwischt zu werden, ist groß. Deshalb steht schnell fest, dass der Junge nicht im Lager bleiben kann; er soll mit dem nächsten Transport nach Bergen-Belsen weitergeschickt werden.

Die Häftlinge geraten in eine Zwickmühle. Einerseits wollen sie die Arbeit des ILK nicht gefährden – der Krieg steht kurz vor dem Ende und das Lager vor seiner Evakuierung, was den sicheren Tod bedeuten würde – doch man hat Vorkehrungen getroffen, Bündnisse geschmiedet, Waffen versteckt. Andererseits verbietet ihnen ihr Mitgefühl, ihre Menschlichkeit, ein Kind in den sicheren Tod zu schicken nur um die eigene Haut zu retten.

Die Häftlinge hören auf ihr Herz und verstecken das Kind – gegen die Anweisung des ILK. Denn das Kind muss überleben, sie alle müssen überleben. Der kleine Junge hat einen Funken in ihnen allen zum glühen, zum brennen gebracht – ihren Überlebenswillen – an dem sie nun stärker als je zuvor festhalten.

Menschlich denken und handeln, trotz der unmenschlichen Umstände, unter denen die Häftlinge leben müssen, steht im Zentrum von Nackt unter Wölfen. Bruno Apitz appelliert damit an das Gewissen eines jeden. Wie würdest du handeln? Was würdest du tun, wie weit würdest du gehen, um ein Menschenleben zu retten?

Im Mittelpunkt stehen einfache Menschen, die jeden Tag ums Überleben kämpfen. Sie wissen, dass der Krieg nicht mehr lange andauern wird, dass sie dann entweder befreit oder erschossen werden. Zukunft hat für diese Menschen kein Gesicht, und doch klammern sie sich ans Leben. Bruno Apitz spiegelt das in der klaren, einfachen Sprache wieder, mit der er schreibt. Er gibt den Häftlingen ihre Sprache zurück und macht sie damit unvergessen. Er schreibt authentisch, denn er war selbst Gefangener im KZ Buchenwald und hat die Befreiung hautnah miterlebt. Er schreibt nicht nur irgendeine Geschichte auf, er schreibt seine eigene Geschichte auf, damit die Verbrechen im KZ nicht in Vergessenheit geraten.

Jahrelang wurde den überlebenden Kommunisten vorgehalten, ja sogar vorgeworfen, dass sie sich in das System der SS nahtlos eingefügt hätten, dass sie doch Aufgaben im KZ gehabt hätten, es also doch gar nicht so schlecht gehabt hätten wie andere. Was dabei vergessen wurde, ist, dass sie keine andere Wahl hatten und dass es sie innerlich zerrissen hat. Auch das wird in der Neuauflage jetzt deutlich. Der innere Konflikt – nicht nur auf das versteckte Kind bezogen – muss enorm gewesen sein. Für den Feind arbeiten zu müssen um das eigene Leben zu sichern, ihm jeden Tag erneut in die Augen blicken zu müssen und zu wissen, dass das Leben am seidenen Faden hängt. Nein, in dieser Situation kann man wirklich nicht von friedlicher Koexistenz oder sogar einem Bündnis reden – das ist Abhängigkeit!

Hoffentlich gelingt es dieser Neuauflage, mit diesem Vorurteil aufzuräumen. Im KZ gab es keine bessergestellten Häftlinge – sie waren alle Opfer!

Heute wäre Bruno Apitz 112 Jahre alt geworden, ihm widme ich diese Rezension. Damit er nicht vergessen wird, damit der Horror, den er und Millionen andere erlebt und überlebt haben, nicht vergessen wird.

Ein anderer Bruno wäre heute 90 Jahre alt geworden – mein Opa. Auch ihm ist diese Rezension gewidmet. Auch er ist unvergessen.

Links: Bruno Apitz - Rechts: Bruno Rotzoll









Gebundene Ausgabe: 586 Seiten
Erschienen im Aufbau Verlag
März 2012.
ISBN: 978-3-3510-3390-3

✰ Michael Crichton und Richard Preston – Micro

Neulich im Wohnzimmer:

★ Eigentlich könnte ich mal was ganz anderes lesen. Irgendwas, was ich sonst nie lesen würde, was ich links im Bücherregal liegen lassen würde. Was von Michael Crichton zum Beispiel, denn den verbinde ich bis jetzt nur mit irgendwelchen Öko-Dschungel-Umwelt-Szenarien. Oder mit Dinos. Und die sind nun wirklich nicht mein Fall!

☆ Na ja, man muss sich ja auch mal auf was Neues einlassen, meinst du nicht? Und Micro ist anders, denn hier hat Richard Preston mitgeschrieben. Michael Crichton hat es nicht mehr geschafft, seinen letzten Roman zu vollenden und hat seinen Freund gebeten, ihn fertig zu schreiben. Ich finde, das klingt doch interessant, oder?

★ Ja, sicher. Aber merkt man das dann nicht, dass hier zwei Autoren geschrieben haben?

☆ Vielleicht. Wir werden sehen. Fangen wir doch erst einmal mit dem Lesen an.

★ Na gut. Eigentlich fängt es ja schon recht spannend an. In einem Büro auf Hawaii werden drei männliche Leichen entdeckt, sie sind alle verblutet und die Polizei geht von Selbstmord aus. Eine Tatwaffe ist aber nirgends zu finden.

☆ Siehst du, das fängt an wie ein stinknormaler Thriller. Blut und Leichen. Da stehst du doch drauf, oder?

★ Ja, so einen Thriller zwischendurch brauche ich wirklich. Aber dann ändert sich die Szenerie, es geht weiter mit einer Gruppe von Studenten in Cambridge. Schade, und was wird aus dem mysteriösen Mord/Selbstmord?

☆ Jetzt warte doch ab! Vielleicht kommt der Plot ja später darauf zurück, sei mal nicht so ungeduldig!

★ Na gut, ich les ja schon weiter.

☆ Ich finde es jedenfalls jetzt schon sehr spannend. Sieben junge Studenten, die von einem erfolgreichen, aber mysteriösen Biotechnologieunternehmen abgeworben werden sollen um deren Arbeit auf Hawaii zu unterstützen. Und bei einer Führung durch das Unternehmen erfahren die sieben, dass es um Mikrotechnologie geht. Um winzig kleine Maschinen. Und Menschen, die diese lenken – weil sie geschrumpft wurden.

★ Also, bis jetzt hab ich mir das ja noch alles gefallen lassen, aber Menschen, die geschrumpft werden? Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft? Den Film fand ich grauenhaft. Sowas von unglaubwürdig, aus der Luft gegriffen. Und dann werden diese armen sieben Studenten natürlich auch gleich mal auf 1,2cm Größe geschrumpft. Was soll denn das?

☆ Ja, das klingt vielleicht ein wenig abstrus, aber es bietet auch jede Menge Stoff für spannende Geschichten! Die sieben Studenten landen zusammen mit einem Mitarbeiter von Nanigen, der versehentlich mit geschrumpft wurde, mitten im Dschungel. Auf einmal ist alles riesengroß! Spinnen und Ameisen werden zu Monstern, eine ganz normale Blume wird zum Baum. Überall lauern Gefahren, die man als normal großer Mensch einfach so platt trampeln könnte. Und aus dieser Lage müssen sich die acht ja auch wieder befreien, denn ihnen bleibt nicht viel Zeit, um zurück zum Labor zu gelangen und wieder auf Normalgröße wachsen zu können. Was eigentlich nur wenige Kilometer weit weg ist, ist jetzt unerreichbar. Stell dir das doch mal vor!

★ Gut, ich gebe dir ja recht, das ist schon wahnsinnig spannend, wie die Gruppe ums Überleben kämpft und sich plötzlich aufeinander verlassen muss – auch wenn sich einige auf den Tod nicht ausstehen können. Und dass sie dabei verfolgt werden, weil man sie lieber tot als lebendig sehen will, ist auch eher spannungsfördernd. David gegen Goliath.

☆ Siehst du! Das Experiment hat sich gelohnt. Aber jetzt verraten wir hier besser nichts mehr! Von mir erfährt jedenfalls niemand, wie es jetzt noch weitergeht, ob alle überleben, ob die Studenten am Ende wieder ihre normale Größe zurück erlangen, oder ob…

★ Genau! Dann sei jetzt bitte still! Ich will lesen. Ich kann nämlich nicht mehr aufhören, die Geschichte zieht mich wirklich in ihren Bann, da kann ich mich nicht mehr gegen wehren. Jetzt muss ich unbedingt wissen, wie die Geschichte zu Ende geht! Bitte nicht stören!

Neu bei audible.de – Hörbücher to go

Stellt euch mal folgende Situation vor: Ihr seid unterwegs, Smartphone im Anschlag, Ohrstöpsel in den Ohren und hört ein irre-spannendes Hörbuch. Das sich aber schon sehr dem Ende entgegen neigt. Eure Reise, Odyssee, Mission, etc. wird aber noch Stunden, wenn nicht sogar Tage dauern – und neuer Hörstoff ist nicht in Sicht. Ja, dieses Szenario ist furchteinflößen – aber bitte, jetzt nicht schreien!

Lesen!

Seit neuestem gibt es audible auch unterwegs – im mobilen Shop. Einfach ein Hörbuch aussuchen, kaufen, runterladen – und bequem zurückgelehnt weiterhören.

✰ Sabrina Qunaj – Elfenmagie

Fantasy mag man, oder man mag es eben nicht. Und besonders kritisch wird es bei Werken, deren Seitenzahl sich der 1000 nähert. Entweder Segen oder Fluch. Etwas dazwischen gibt es nicht – jedenfalls nicht für mich. Entweder ich kann mich so in die Geschichte hineinversetzen, dass ich zum Schluss ganz erstaunt bin, dass die vielen Seiten schon auf der linken Buchseite sind – oder ich bete verzweifelt den Schluss herbei.

Sabrina Qunajs Roman Elfenmagie nähert sich stark den 1000 Seiten, und ist dabei erst der Auftakt einer Fantasyreihe.

Vanora wächst bei ihrem Vater auf, ohne zu wissen, dass sie eine Halbelfe ist. Bis eines Tages der geheimnisvolle Glendorfil auftaucht und ihr eine zentnerschwere Last aufbürdet. Nur sie kann das Elfenreich, kann Lichtelfen und Dunkelelfen wieder vereinen, denn sie stammt von mächtigen Elfen ab. Doch Vanora will ihren Vater nicht verlassen, bis es eines Tages keinen anderen Ausweg mehr gibt und sie ins Reich der Dunkelelfen gebracht wird – angeblich nur zu ihrem eigenen Schutz. Doch stimmt das wirklich oder soll sie nur als Waffe, als Werkzeug dienen in einer uralten Auseinandersetzung?

Vanora als Hauptfigur sind in etwa ein Drittel (nach meinem Empfinden, ich habe nicht nachgezählt, also – Statistiker an die Front!) der Kapitel gewidmet, auch wenn sie in fast jeden anderen auch eine Rolle spielt. Doch der Blickwinkel ändert sich ständig. Geschickt wechselt Sabrina Qunaj zwischen den einzelnen Figuren hin und her; der eine nimmt da den Faden wieder auf, wo ihn kurz zuvor ein anderer fallen lassen hat.

Vanora, der Kobold Bienli, Elfenkönig Eamon und der Lichtelf Nevliin als Vermittler zwischen den beiden Reichen, sowie die Königin der Lichtelfen Alkariel sind die einzelnen Figuren, mit denen ich umherreise und mich in gefährliche Schlachten stürze. Sowohl auf der Seite der Guten, als auch auf der Seite der Bösen, denn in Elfenmagie darf jeder mal zu Wort kommen. Ich kann mir mein eigenes Bild davon machen, wer letztendlich die besseren Absichten hat, wer schwarz und wer weiß ist. Sicher ist für mich jedoch, dass beide Seiten nicht gänzlich unschuldig sind, dass auf beiden Seiten Rachegefühle und Verrat zu Hause sind.

Genau dieses Spiel mit den beiden Seiten, mit Gut und Böse, macht Elfenmagie für mich zu einem sehr intelligenten Fantasyroman, der nicht jedes Klischee bedienen muss, um zu funktionieren und spannend zu sein. Er begeistert durch die schillernden, detailgetreu gezeichneten Charaktere, durch Gefühl und Witz, durch eine fesselnde Sprache und eine innovative Story – und das alles bei einem Debütroman. Herz, was willst du mehr?

Den nächsten Band, bitte!







Taschenbuch: 976 Seiten
Erschienen bei Aufbau
Februar 2012.
ISBN: 978-3-7466-2738-0




Vielen Dank an den Aufbau-Verlag für die Bereitstellung von Elfenmagie – und ein großes Dankeschön für die “Vermittlung” an Blogg dein Buch.

✰ Im Interview: Nana Spier

Kaum eine Hörbuch-Reihe hat mich in letzter Zeit so unterhalten wie die Evernight-Reihe von Claudia Gray. Gelesen wird diese von der Berliner Schauspielerin und Synchronsprecherin Nana Spier, die so freundlich war, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Frau Spier, vielen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, meine Fragen zu beantworten. Mögen Sie eigentlich Vampire?

✰ Ja, ich mag Vampirgeschichten. Meine erste Hörbuchplatte war Dracula von Europa… Großartiger Grusel!!!

Sie sind die deutsche Stimme von Buffy, und mit Evernight betreten Sie dieses Terrain ja erneut – haben Sie eine besondere Beziehung zum Fantasy-Genre?

✰ „Buffy“ verdanke ich eine ganze Reihe toller Fantasy-Hörbücher, die ich lesen durfte. Das find ich toll. Ich bin lieber Vampir als Vampirjäger habe ich festgestellt… Vor allem die Vampire, die so bisschen böse sind, die find ich super… Ich mag die Vorstellung, dass die alle so alt sind und schon so viel erlebt haben. Das erweitert meine Spiel-Leseinterpretation ungemein.

Wie suchen Sie sich die Hörbücher aus, die Sie einsprechen wollen? Was muss ein Roman haben, damit Sie der Erzählerin Ihre Stimme leihen?

✰ Ein Roman muss vor allem eine gute Geschichte haben. In meinem Kopf müssen Bilder entstehen, sonst macht es mir a) keinen Spaß und b) dann bin ich auch einfach nicht so gut.

Gefällt Ihnen die Evernight-Reihe auch persönlich oder ist das nur ein Job für Sie?

✰ Über das „Evernight“-Angebot hab ich mich ganz besonders gefreut. Ich hab den ersten Teil von “Biss” sehr gern gelesen und dachte „ach, den würde ich gerne einlesen“. Und dann kam „Evernight“ und ich fand die Story viel besser als “Biss”. Hihihi, und deshalb war ich sehr froh… Jetzt warte ich auf ein Spin-off von Mrs Bethany, sie ist mein Lieblingscharakter in „Evernight“.

Mit dem vierten Teil ist die Evernight-Reihe ja jetzt beendet. Haben Sie schon neue Projekte in Aussicht?

✰ Ich habe gerade einen sehr hübschen Roman von Alice Peterson eingelesen. Eine Frau, Mitte 30, verzweifelt, chaotisch, liebenswert mit Klatsche und Hund. Das ist nämlich das zweite Genre das ich sehr gern bediene…Als nächstes lese ich den Roman „Pinguinwetter“.

Wie sind Sie dazu gekommen, Hörbücher einzusprechen?

✰ Lübbe Audio gab mir als junge Schauspielerin mal eine Chance, ich glaube ich war 22 oder 23. Und so ging das los….

Welche Arbeit fasziniert Sie mehr – die als Schauspielerin oder die als Sprecherin? Und wie unterscheiden sich diese beiden Tätigkeiten für Sie ganz persönlich?

✰ Das ist das Tolle an meinem Beruf, er ist soooo vielseitig…. Ich liebe es Hörbücher einzulesen. Das ist wie Kino im Kopf machen. Aber ich könnte das nicht tagtäglich und ausschließlich machen. Das ist ja auch das geniale am Synchron, da kann ich jeden Tag in andere Rollen schlüpfen, immer andere Facetten zeigen. Und all die Empfindungen und Stimmungen, die ich da spiele, kann ich wieder in die Hörbücher einbringen.

Wie muss ich mir Ihre Arbeit als Sprecherin vorstellen? Wie sieht so ein Tagesablauf im Studio aus?

✰ Ich beginne gerne sehr früh, spätestens um 10:00, dann lese ich und lese ich bis mein Magen knurrt. Das ist meistens zwischen 12:00-12:30, dann unterbrechen wir kurz, ich esse eine Kleinigkeit, und dann geht es weiter so bis 15:00-16:00. Da brauche ich dann meistens einen Kaffee und was Süßes weil die Konzentration nachlässt… Und dann, je nach Studio, machen wir noch bis 18:00 oder 19:00. Ich schaffe immer gern ein bisschen mehr als die Hälfte am ersten Tag, das ist wichtig für die Psychologie… Der Berg (Blätter) ist dann nicht mehr so hoch. Ich glaube, man würde mich als sehr ehrgeizige und sportliche Sprecherin bezeichnen. Der oder die arme Person in der Regie muss sich wahnsinnig gut konzentrieren können, weil ich eine furchtbare Schummlerin bin. Ich drehe die Worte oft so schlimm um, das es zwar immer noch einen Sinn ergibt, aber eben nicht das ist was im Skript steht.

Hören Sie selbst auch Hörbücher? Und wenn ja, haben Sie ein Lieblingshörbuch? Einen Lieblingssprecher?

✰ Ich habe zwei Kinder, die sehr gerne Hörbücher hören. Da hört man dann eben mit, aber ich bin froh, dass die Bibi Blocksberg/Benjamin Blümchen- Phase jetzt vorbei ist. Meine absolute Lieblingssprecherin ist Sascha Icks, ich bin ein echter Fan….Sie macht das großartig… Die „Penderwicks“-Reihe habe ich am liebsten.

Vielen Dank für das Interview!

Wer sich für meine Rezensionen zu Evernight interessiert, klickt einfach auf das Bild.

✰ Claudia Gray – Evernight. Gefährtin der Morgenröte

Bei Bianca läuft im Moment nicht wirklich alles glatt. Sie ist nämlich gestorben. Ihr Glück – wenn man hier von Glück reden kann – ist, dass sie nicht mausetot ist, sondern ein Geist. Einen eigenen Körper hat sie dadurch aber immer noch nicht. Und Lucas, einst Vampirjäger beim Schwarzen Kreuz, nicht mehr oder weniger als selbst ein Vampir. Wohin also? Denn beim Schwarzen Kreuz kann er selbstverständlich nicht bleiben. Da könnte er sich ja gleich selbst pfählen.

Bleibt nur der Weg zurück nach Evernight. Für Lucas als Vampir nicht weiter problematisch, schließlich ist Evernight eine Schule für Vampire, doch Bianca als Geist ist hier nicht gerne gesehen – auf sie wird sogar Jagd gemacht. Trotzdem entscheidet sie sich, bei Lucas zu bleiben und der Gefahr ins Auge zu sehen.

Wird es ein Happy End geben? Diese Frage schießt mir seit Teil 1 der Evernight-Reihe durch den Kopf, denn Bianca und Lucas werden mit so vielen Widrigkeiten konfrontiert, dass sie da doch eigentlich nicht mehr herauskommen dürften. Oder vielleicht doch? Im letzten Teil erfährt man es, ganz zum Schluss, fast in letzter Minute – aber mehr sage ich jetzt nicht.

Teil 4 – Gefährtin der Morgenröte – ist ein würdiger Abschluss der Quadrologie, mit jeder Menge Spannung und Gefühl; Freundschaft, Verrat und Liebe spielen die zentralen Rollen. Es kommt zum Kampf zwischen Vampiren und Geistern, die Zukunft der Evernight-Akademie steht auf dem Spiel, ebenso wie Biancas und Lucas persönliche Zukunft.

Gelesen wird das Hörbuch wie schon die drei vorherigen der Reihe von Nana Spier. Sie haucht Bianca erst Leben ein und macht sie zu einer sympathischen Figur, gibt aber auch deren innerer Zerrissenheit genug Raum. Nana ist wirklich – und ich kann das nicht oft genug sagen – die perfekte Stimme für Bianca.

Evernight hat mich grandios unterhalten, auch wenn das Vampir-Thema mittlerweile nicht mehr neu ist und vielleicht auch schon genug durchgekaut wurde. Auch wenn Claudia Grays Romanvorlage sicher nicht als tiefgründige Literatur bezeichnet werden kann, weil es dann doch zu sehr auf das jugendliche Zielpublikum ausgerichtet ist. Mich hat das nicht davon abgehalten, jede Minute Evernight zu genießen.







Gekürzte Lesung: 356 Minuten
Gelesen von Nana Spier
Erschienen bei DAV – Der Audio-Verlag
März 2012
Aus dem Amerikanischen von Marianne Schmidt
Originaltitel: Afterlife
ISBN: 978-3-8623-1139-2

✰ Heike Eva Schmidt – Purpurmond

Die 17-jährige Cat ist erst vor Kurzem nach Bamberg gezogen, in der neuen Schule ist sie ein Außenseiter und wird gemobbt. Als sie von Mitschülerinnen in einem alten Keller eingesperrt wird, versucht sie, sich zu befreien – doch sie findet nur einen Halsreif. Ohne groß darüber nachzudenken, legt sie ihn sich um – und befindet sich plötzlich im Jahre 1632. Damit fangen die Probleme jedoch gerade erst an – denn als sie wieder in ihrem Schlafzimmer ist, kann sie den Halsreif nicht mehr abnehmen.

Bamberg im Jahre 1632, der Höhepunkt der Hexenverbrennung – kaum eine Frau kann sich vor Anschuldigungen retten, wenn sie nicht so lebt, wie es ihr die Gesellschaft vorschreibt. Auch Dorothea gerät unter Verdacht, denn sie kennt sich mit Kräutern aus – und verweigert einem Mann die Ehe, mit dem sie sich besser nicht angelegt hätte.

Zwei junge Frauen mit Problemen – da bleibt es nicht aus, dass sich die beiden treffen. Und so kommt es, dass jede auf die Hilfe der anderen angewiesen ist – Cat mit ihrem Kupferreif, der sich immer enger um ihren Hals zusammenzieht; und Dorothea, die der Hexerei beschuldigt wird.

Eine Begegnung wird zu einer Freundschaft zwischen den Jahrhunderten, auch wenn beide Mädchen auf den ersten Blick rein gar nichts gemeinsam haben. Allein durch ihre Sprache sollten sie sich eigentlich nichts zu sagen haben, denn wie soll Dorothea die Jugendsprache des 21. Jahrhunderts verstehen? Und wieso trägt ein Mädchen solche Schuhe – damit sind natürlich Cats Chucks gemeint – und Hosen? Es ist ja wirklich ein Wunder, dass Cat nicht sofort auf dem Scheiterhaufen gelandet ist!

Dagegen wirken die Frauen im 17. Jahrhundert auf Cat auch sehr merkwürdig. Heiraten mit 14? Ein Kind nach dem anderen zur Welt bringen? Erst jetzt merkt sie, wie gut sie es doch in ihrer Gegenwart hat; und trotz ihrer Freundschaft zu Dorothea und ihren Gefühlen für deren Bruder Jakob möchte sie doch wieder zurück in ihr altes Leben. Wäre da nicht der Kupferreif, der ihr langsam die Luft zum atmen nehmen würde.

Purpurmond ist ein kurzweiliger und spannender Zeitreiseroman mit historischem Hintergrund. Eva Heike Schmidt hat genau recherchiert und schafft es, die Zeit der Hexenverfolgung und die Ängste der Menschen lebendig zu schildern. Ein dunkles Kapitel der Geschichte wird so leicht verständlich erzählt und dazu noch mit einer Portion Fantasy angereichert.

Eine wunderschöne Geschichte mit romantischem Touch, ohne kitschig zu werden, genau richtig für kalte Frühlingstage, um sich wenigstens das Herz ein wenig aufzuwärmen.







Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Erschienen bei PAN
März 2012.
ISBN: 978-3-4262-8366-0

✰ Hanna Lemke – Geschwisterkinder

Die Geschwister Ritschie und Milla sind sich fremd geworden. Nur noch die Erinnerung an die gemeinsame Kindheit scheint die beiden wie ein zartes Band miteinander zu verbinden. Gleichzeitig sind sie sich auch selbst fremd geworden, jeder für sich spürt eine Einsamkeit, gegen die er nicht ankommt. Erst der Besuch eines alten Freundes lässt sie nachdenken, was sie an ihrem Leben und an ihrer Beziehung zueinander ändern können.

Endlich reden sie wieder miteinander und stellen fest, dass ihre Probleme im Grunde genommen die gleichen sind. Dass sie mehr miteinander verbindet, als die gemeinsame Vergangenheit.

Geschwisterkinder ist mit 127 Seiten mehr eine Erzählung als ein Roman. Nicht nur, dass das schon auf dem Cover vermerkt ist, es fehlt einfach an Länge – nicht an Tiefe! – und mir hätte etwas mehr Ausführlichkeit besser gefallen. Es ist einfach zu schnell vorbei, zu schnell sind Milla und Ritschie am Schluss der Geschichte angekommen, wo ich sie doch gerade erst kennengelernt habe.

Sprachlich kann mich Hanna Lemke aber sehr überzeugen. Sie seziert geradezu die Beziehung zwischen Milla und Ritschie und legt dabei das Wesentliche frei – dass beide zu tief vom Leben und sich selbst verunsichert sind, dass sie nicht wissen, wohin sie wollen. Dieses Gefühl wird sehr greifbar, es klebt auf jeder Seite; es muss dabei noch nicht einmal laut ausgesprochen werden, um präsent zu sein.

Es ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben der beiden Geschwister, aber vielleicht reicht er schon aus, um zu verstehen, worum es die ganze Zeit in ihrem Leben ging. Trotzdem – mir hätte mehr noch besser gefallen.







Gebundene Ausgabe: 127 Seiten
Erschienen bei Kunstmann
März 2012.
ISBN: 978-3-8889-7749-7

✰ Shirley Marr – Manche Mädchen rächen sich

„Es war kein Plan. Jedenfalls haben wir nicht beschlossen, jemanden umzubringen, nur weil uns langweilig war.“

Wir. Eliza und ihre Freundinnen Marianne, Lexi und Ella. In dieser einen Nacht ändert sich ihr Leben und nichts ist mehr, wie es war. Eliza wird von der Polizei festgenommen, auf ihrer Bluse ist Blut, es gibt einen Toten. Mehr wird zu Beginn der Geschichte nicht verraten. Erst nach und nach erzählt Eliza, was wirklich in dieser Nacht passiert ist. Was ihr Leben aus den Fugen geraten ließ. Ihr behütetes Leben in einem von der Außenwelt abgeriegelten Viertel für Steinreiche, mit ihrer Eliteprivatschule, die ihr alles ermöglichen sollte. Nach und nach erfahre ich, dass es auch in diesem Paradies Monster gibt, und dass es um Rache geht. Um blutige Rache.

Es wirkt wie ein Zwei-Personen-Stück, wenn Eliza im Verhör mit Dr. Fadden sitzt. Zwei Persönlichkeiten, die beide etwas voneinander wollen – Dr. Fadden will die Wahrheit erfahren, Eliza will ihre Freiheit zurück. Dass sie sich dabei weder von ihrer Mutter, noch von der Staranwältin, die diese engagiert hat, helfen lassen will, ist nur logisch, denn Eliza ist ein Sturkopf. Noch nicht einmal mir als Leser erzählt sie, was in jener unglückbringenden Nacht passiert ist – jedenfalls nicht sofort. Und auch nicht gern.

Und dann erzählt sie es doch – in Rückblenden, häppchenweise wirft sie mir die ganze Wahrheit zum Fraß vor – und die ist bestimmt nicht leicht verdaulich. Dafür aber wahnsinnig spannend, denn es geht um Freundschaft und Loyalität. Eliza lebt für ihre Freundinnen – auch wenn sie töten muss.

Trotz allem Erwachsen-wirken-wollen ist Eliza nur ein unsicherer Teenager, ihre Ausdrucksweise ist nicht die einer Erwachsenen und strahlt auf ihr ganzes Verhalten aus – impulsiv und schnodderig. Mir wird schnell klar – dies ist keine eiskalte Mörderin!  – und trotzdem weiß ich nicht, ob ich Mitleid mit ihr empfinden kann, denn dass sie nicht unschuldig ist und ohne Grund festgenommen wurde, das ist offensichtlich, schließlich bestreitet sie nichts.

Eliza ist bedingungslos, aber ist sie es als Freundin oder als Mörderin?







Broschiert: 330 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag
Februar 2012
Aus dem australischen Englisch von Britta Keil
Originaltitel: Fury
ISBN: 978-3-4734-0072-0

✰ Willi Voss – Bitteres Blut

Thorsten Böse ist tot. Erhängt. Angeblich. Denn als Kriminalobermeister Lorinser an den Ort des Verbrechens kommt, liegen da zwar ein Strick und ein blutiger Turnschuh, doch etwas Entscheidendes fehlt. Die Leiche. Wo ist Thorsten Böse? Lebt er noch? Lorinser nimmt die Ermittlungen auf, doch niemand scheint Thorsten zu vermissen. Der Playboy aus der norddeutschen Provinz war nicht gerade beliebt bei seinen Mitmenschen, und selbst sein Adoptivvater hat ihn gehasst.

Trotz allem Spott und Hohn, der ihm von seinen Kollegen in Diepholz entgegenschlägt, lasst sich Lorinser nicht von seinem Weg abbringen. Er ist fest davon überzeugt, dass Thorsten Böse das Opfer eines Verbrechens geworden ist.

Ich kenne Diepholz und seine Umgebung, ich habe Verwandtschaft dort und ich kenne die Menschen, die dort leben. Meine eigene Geschichte verbindet mich mit diesem Landstrich. Das war für mich der Auslöser, Bitteres Blut zu lesen. Ich wollte den Charakter von Land und Leuten wiedererkennen, gepaart mit einer spannenden Kriminalgeschichte. Leider wurde daraus nichts.

Ganz nett, ist alles, was ich zu Willi Voss Krimi sagen. Die Geschichte um ein Verbrechen ohne Leiche – ganz nett eben, nicht neu, und leider zu verwirrend um wirklich spannend zu sein. Wer hat den Böse denn jetzt ermordet und vor allem warum? Ich weiß es einfach nicht! Und ja, ich habe das Buch bis zum Schluss gelesen, und trotzdem kann ich das nicht sagen! Ein Krimi, den ich nicht verstanden habe.

Ganz nett ist auch Kriminalobermeister Lorinser, für meinen Geschmack aber zu glatt, ihm fehlen die Ecken und Kanten, um wirklich interessant zu sein. Das heißt nicht, dass ihm ein Drogen- oder Alkoholproblem fehlt, er ist einfach nur zu flach. Zu nett, um wirklich sympathisch zu sein. Auch die anderen Figuren sind nur Randfiguren, die man schnell wieder vergisst.

Stilistisch ist der Krimi ganz ordentlich. Ganz nett eben, gut zu lesen ohne aufzufallen, weder positiv noch negativ.

Ich hätte gerne geschrieben, dass ich begeistert war, schon allein wegen der Verbindung zu meiner eigenen Familiengeschichte, weil ich Regionalkrimis mag. Kann ich aber nicht. Ganz nett ist eben nicht begeisternd.







Broschiert: 320 Seiten
Erschienen bei Sutton Verlag
Februar 2012
ISBN: 978-3-8668-0958-1