✰ Cathi Unsworth – Opfer

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Wer ist Opfer, wer ist Täter?

Seit 20 Jahren sitzt Corrine Woodrow in der Psychiatrie. Seit jenem Tag, als man sie blutüberströmt neben einer brutal zugerichteten Leiche gefunden hat. Ein Ritualmord, das ist schnell klar, und Corrine, die Außenseiterin, die mit der drogensüchtigen, herumhurenden Mutter scheint die perfekte Täterin zu sein. Immerhin hat sie doch einen Hang zur schwarzen Magie, einen seltsamen Altar in ihrem Zimmer und Bücher über dunkle Riten bei sich. Wer also sonst sollte der Täter sein?

Dem voraus geht jedoch eine ganz andere Geschichte. Eine, die der Privatdetektiv Sean Ward aufdecken soll. Er wird in den kleinen Ort Ernemouth geschickt, denn es gibt Hinweise, dass sich noch eine weitere Person am Tatort aufgehalten hat. Damals, im Sommer 1984.

Sean Ward bemerkt schnell, dass ihm von unerwarteter Stelle Steine in den Weg gelegt werden. Weil jemand den wahren Tätet decken will? Weil jemand tiefer in die Sache verwickelt ist, als gut für ihn wäre? Oder einfach nur, weil Corrine Woodrow die perfekte Täterin, das perfekte Opfer ist?

Es dauert lange, bis Cathi Unsworth zum eigentlichen Mord gelangt – und das Besondere an ihrem Roman ist, dass sogar die Identität des Mordopfers lange im Dunkeln bleibt. Ist das dann überhaupt noch ein Krimi, wenn man zwar weiß, dass jemand ermordet wurde, aber nicht wer? Ja, in diesem Fall ist es nämlich ein wichtiger Teil des Spannungsbogens. Cathi Unsworth spielt so geschickt mit den Lesererwartungen, mit den Bildern in meinem Kopf.

Mit doppeldeutigen Anspielungen überlässt sie es meiner Phantasie, mir einen Reim darauf zu machen, was tatsächlich geschehen ist, was heute noch geschieht. Abwechselnd erzählt sie aus der Vergangenheits- und der Gegenwartsperspektive; beginnend mit dem Sommer 1983 nähern wir uns einerseits immer näher der Katastrophe an, andererseits aber auch immer weiter der Aufklärung in der Gegenwart. Beide Perspektiven sind wichtig, um letztendlich ein ganzes Bild der Ereignisse zu bekommen.

Eines, das so ungeheuerlich ist ,wie die gesamte Geschichte vorher. Ein Bild voller Boshaftigkeit und menschlichen Abgründen. Über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens; vom Abnabeln von den Eltern und dem Finden der eigenen Persönlichkeit. Von dunkler Musik und dunklen Gedanken, gewagten bis bizarren Frisuren, Subkulturen und Leben der 80er.

Und letztendlich über die Macht von Vorurteilen und Vorverurteilungen. Sie können ein ganzes Leben zerstören. Mindestens.







Taschenbuch: 384 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp
März 2013
Aus dem Englischen von Hannes Meyer
Originaltitel: Weirdo
ISBN: 978-3-518-46433-5
4sterne

✰ Grace McCleen – Wo Milch und Honig fließen

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Judith ist zehn und ziemlich einsam. Sie lebt alleine mit ihrem Vater, schon immer, denn ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben, doch der kümmert sich lieber darum, die Menschen vom nahenden Ende der Welt zu unterrichten. Und Judith muss mit. Immer. Sie trägt merkwürdig altmodische Klamotten – und ja, auch sie glaubt daran, was ihr Vater ihr erzählt. Jeden Abend lesen sie in der Bibel. Sie haben keinen Fernseher und feiern keinen Geburtstag und kein Weihnachten. Judith und ihr Vater sind Zeugen Jehovas. Und Judith so ziemlich die krasseste Außenseiterin, die es gibt.

Sie hat keine Freunde. Sie hat nur das Land der Zierde. Für Außenstehende mag es ein Haufen Müll sein, den Judith da in ihrem Zimmer angehäuft hat, doch für sie werden Folie zu Seen und Flüssen, Bonbonpapiere zu Blumen und Pfeifenputzer zu Menschen.

Und eines Tages wird aus Watte und Rasierschaum Schnee, denn es soll schneien. Judith hat Angst vor der Schule, Angst vor den anderen Kindern, die sie hänseln und drangsalieren. Bitte lieber Gott, lass es schneien! Am nächsten Tag liegt die Welt vor Judiths Fenster unter einer weißen Decke. Das hat sie ganz allein gemacht! Wenn das so einfach ist, ein wenig Gott zu spielen, dann könnte man doch noch ein wenig mehr geschehen lassen. Dummerweise kann man das dann aber nicht mehr rückgängig machen.

Wo Milch und Honig fließen ist ein Roman über die Macht der Phantasie, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Das liegt vor allem an seiner bezaubernden Protagonistin Judith, die mit ihren zehn Jahren schon so viel einstecken und erwachsen sein muss. Ihre Fähigkeit, aus dem Nichts eine ganze Welt zu erschaffen, ist etwas Besonderes – aber das sieht leider niemand. Für ihren Vater ist das nur Müll und Zeitverschwendung, und das mit dem Zaubern glaubt er ihr schon mal gar nicht. Für ihn liegt das Ende der Welt nahe, und in diesem Glauben wächst auch Judith auf. Ein erschreckender Gedanke für ein kleines Mädchen. Für mich wäre dieser Gedanke jedenfalls unerträglich – trotz der Aussicht auf ein besseres Leben im Paradies.

Die Quälereien, die Judith jeden Tag ertragen muss, sind für mich kaum auszuhalten, und je weiter die Jungen gehen, desto wütender werde ich nicht nur auf sie, sondern auch auf Judiths Vater, der ihr eine Mitschuld an den Schmierereien und Belästigungen gibt.

Das Land der Zierde verwandelt sich von einem schönen, friedlichen Ort immer mehr zu einem Ort der Rachephantasien und Katastrophen; Judiths Hilflosigkeit ist schmerzhaft spürbar.

Grace McCleen macht in ihrem Debütroman deutlich, wie Mobbing das Leben der Opfer verändern kann, denn Judith ist letztendlich nichts anderes als ein Mobbingopfer. Sie lässt uns durch ihre Augen in eine Welt blicken, die vor ihren und unseren Augen langsam zerbricht. Eine Welt, die sich Judith so mühe- und liebevoll aufgebaut hat. Und so durchzieht den gesamten Roman ein melancholischer, fast trauriger Unterton, auch wenn sich Judith immer wieder um Fassung bemüht, so als wolle sie selbst mich als Leser trösten und mir sagen, dass es doch nicht so schlimm ist. Das bald eh alles vorbei ist und ein besseres Leben auf sie wartet. Darein steckt sie alle ihre Hoffnung, allen ihren Lebenswillen. Ob das nun richtig ist oder nicht, darüber kann und will ich nicht urteilen.

Ein kleines großes starkes schwaches Mädchen.







Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Erschienen bei Deutsche Verlagsanstalt
März 2013
Aus dem Englischen von Barbara Heller
Originaltitel: The Land of Decoration
ISBN: 978-3-421-04546-1
5sterne

✰ Yasmina Khadra – Die Landkarte der Finsternis

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Wie kann man weiterleben, wenn die große Liebe tot ist?

Kurt Krausmann fällt nach dem Tod seiner geliebten Frau in ein tiefes Loch. Er vernachlässigt seine Frankfurter Arztpraxis und gibt sich nur noch seiner Trauer hin. Warum? Warum hat sich seine Frau das Leben genommen, wo er sie doch so sehr geliebt hat?

Erst ein Freund kann ihn aus diesem Loch holen. Hans überredet ihn zu einem Segeltörn Richtung Komoren – und die Reise scheint Kurt tatsächlich neuen Aufwind zu geben. Bis die beiden am Horn von Afrika von Piraten überfallen und als Geiseln genommen werden. Die Reise entwickelt sich immer mehr zum Alptraum, je tiefer die beiden in ein Land verschleppt werden, in dem auf den ersten Blick nur Gewalt, Elend und Hass regieren. In dem alles schlecht zu sein scheint, die Menschen barbarische Wilde ohne Kultur und Anstand, ohne Herz und Mitgefühl. Doch ist das wirklich so? Oder verbirgt sich dahinter nicht doch eine reiche Kultur, faszinierende Menschen – eventuell sogar Schönheit?

Mir fällt es schwer, mit Kurt Krausmann mitzufühlen. Ihm widerfährt zwar so viel Schreckliches – angefangen mit dem Tod seiner Frau – und ich kann seine Trauer darüber auch nachvollziehen, aber dann begreife ich ihn nicht mehr. Seine Entscheidungen sind mir fremd. Sie sind so irrational und von falschen Vorstellungen geprägt, dass ich darüber nur den Kopf schütteln kann. Wieso segelt er nur mit einem Freund und einem weiteren Angestellten durch ein Gebiet, in dem es bekannt ist, dass Piraten ihr Unwesen treiben? Aus humanitären Gründen – aber ist das wirklich gerechtfertigt? Sind die nicht nur vorgeschoben um dieser Reise einen besseren Anstrich zu geben? Er begibt sich freiwillig in Gefahr, naiv  in dem Glauben, dass ihm schon nichts passieren wird. Und falls doch was passieren sollte, na dann wird die Regierung schon einspringen.

Tut sie aber nicht, denn es läuft ganz anders ab, als er sich das vorgestellt hat. Niemand fordert Lösegeld. Kurt und sein Freund werden zu einer Ware, die man handeln kann, um sich Vorteile zu verschaffen. Zu Vieh, das von einem Versteck ins nächste verfrachtet wird. Wie soll es da noch gelingen, die eigene Menschenwürde aufrecht zu erhalten?

Selber schuld, könnte man in diesem Moment sagen. Wärt ihr mal besser zu Hause geblieben. Jetzt seht zu, wie ihr die Situation meistert. Leider äußerst dumm. Denn Kurt legt sich mit den Entführern an, beleidigt sie sogar. Für ihn sind sie Barbaren ohne jede Kultur, minderwertige Menschen, gewaltverherrlichende Tiere. Was er ihnen auch immer wieder sagt. Das er dafür nicht mit Dank überschüttet wird, dürfte klar sein.

Mich machen diese Szenen einfach wütend. Kurt sieht sich als den besseren Menschen – schließlich ist er gekommen, um zu helfen. Dass er sich dabei aufführt wie ein Kolonialherr aus dem frühen 20. Jahrhundert kommt ihm nicht in den Sinn. Dass seine Entführung und das Verhalten der Entführer nur eine Reaktion auf sein eigenes Verhalten sind, versteht er nicht. Was sich hinter der Entführung verbirgt, interessiert ihn nicht. Schwarz und weiß – dazwischen gibt es nichts für ihn.

Hier wäre für Yasmina Khadra die Chance gewesen, dieses Bild wieder gerade zu rücken. Kurt eine wirkliche Wandlung durchmachen zu lassen. Leider passiert das in meinen Augen nicht. Der Autor schafft es zwar, die Entführer in ein positiveres Licht zu rücken, ihnen mehr Tiefe und Charakter zu geben – aber um ehrlich sein: Die Entführer waren mir von Anfang an sympathischer als die beiden Deutschen. Kurt bleibt bis zum Ende Kolonialherr. Und mir zutiefst unsympathisch.

Die Geschichte hat nichts Positives für mich, die wenigen schönen Augenblicke sind zu schnell vorbei, als das sie im Gedächtnis bleiben würden. Afrika bleibt der unbekannte Kontinent – wild und gefährlich. Die Schönheit – vergraben im Wüstensand.







Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Erscheinen bei Ullstein
Februar 2013
Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe
Originaltitel: LÈquation Africaine
ISBN: 978-3-550-08000-5
2sterne

✰ Elisabeth Herrmann – Schattengrund

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Seit einer halben Ewigkeit war Nico nicht mehr in Schattengrund, dem abgelegenen Haus ihrer Großtante, zu Gast. Als Kind war sie ständig hier, doch dann ist etwas passiert, etwas Schlimmes, an das sie sich nicht mehr erinnern kann, und ihre Eltern haben ihr jeglichen Kontakt zu ihrer Großtante verboten. Jetzt ist Nico 17 – und ihre Großtante tot. Ihr Haus hat sie ausgerechnet Nico vererbt. Doch Nicos Eltern schlagen das Erbe aus.

Warum nur haben Nicos Eltern eine so negative Einstellung gegenüber Tante Kiana? Nico lässt diese Frage nicht los, und so macht sie sich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf nach Schattengrund. Kaum ist sie im Dorf angekommen, wird sie auch schon durch einen Schneesturm zum Bleiben in dem verlassenen, alten Haus gezwungen. Ganz auf sich allein gestellt – denn aus irgendeinem Grund scheint Nico ein absolutes Feindbild für die Dorfbewohner zu sein – macht sie sich auf eine Reise in die eigene Vergangenheit.

Elisabeth Herrmann hat mit Schattengrund einen wirklich spannenden, vielschichtigen Jugendthriller geschrieben, der tief unter die Haut geht. Mit Nico hat sie dabei eine Protagonistin geschaffen, die in ihrer Zerbrechlichkeit und Zerrissenheit berührt und authentisch ist – sie ist nicht nur die trotzige Jugendliche, die sich über die Entscheidung ihrer Eltern hinwegsetzt und von zu Hause ausreißt, wie es zu Beginn des Romans erscheint. Nicos Leben wird bestimmt durch eine riesige Erinnerungslück; da wo früher einmal die Bilder zu ihren Ferien in Schattengrund waren, klafft ein tiefes Loch. Und irgendetwas, ein traumatisches Ereignis, hat dieses Loch in ihr Gedächtnis gerissen. Sowas muss eine junge Frau doch zerreißen.

Doch Nico lässt auch nicht locker, sie scheut den Schmerz nicht, den die Erinnerungen mit sich bringen, als sie diese wie ein Archäologe Schicht für Schicht ausgräbt und damit Unglaubliches zu Tage bringt. Unter anderem einen Namen – Fili. Wer war sie und was ist mit ihr geschehen, damals, an dem Tag, der alle schönen Tage in Schattengrund mit einem mal zunichte gemacht hat?

Ihre Ausdauer macht Nico zu einer besonderen, zu einer mutigen jungen Frau. Und Schattengrund zu einem besonderen Jugendthriller.







Broschiert: 416 Seiten
Erschienen bei cbt
November 2012
ISBN: 978-3-570-16126-5
4sterne

✰ Animal Hats – Mützen für den Großstadt-Dschungel

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Tiermützen für Erwachsene. Mal im Ernst. Ist das nicht ziemlich albern, einfach unseriös und echt peinlich?  Mag sein. Und wenn man meiner Mutter glaubt, dann sollte ich mit 31 doch endlich mal seriös werden. Um nicht zu sagen erwachsen. Mir ist das egal. Ich liebe Mützen jeglicher Art  - besonders ausgefallene – und noch viel mehr liebe ich Stricken und Strickbücher durchblättern.

Angeblich tragen sogar Superstars Bären, Giraffen und Elche auf ihren Köpfen spazieren. Habe ich zwar noch nicht gesehen, aber was soll‘s. Ich lese keine Klatschzeitschriften. Wie gesagt, ich lese Strickzeitschriften.

16 Anleitungen, unterteilt in drei Kategorien – einfache Mützen, Mützen mit Ohrenklappen und Schalmützen beinhaltet Lydia Klös Buch. Dazu zu jederwaldohreule Kategorie jeweils eine Grundanleitung – falls es mal weniger tierisch werden soll, für die Mutti.Außerdem gibt es am Ende noch einen Crashkurs in Sachen Stricken und Häkeln, wobei man die Grundbegriffe meiner Meinung nach schon drauf haben sollte und zu mindestens schon mal Stricknadeln in der Hand gehabt haben sollte, damit die Sachen gelingen. Einige Mützen werden mit Effektgarn gestrickt, das Anfängern nicht ganz so leicht in der Hand liegt. Insgesamt werden alle Mützen mit relativ dicken Nadeln gestrickt; sie sind schnell fertig und somit perfekt für ein Wochenendprojekt. Oder für Ungeduldige, die nicht ewig an einer Mütze stricken möchten.

Die Anleitungen selbst sind alle sehr genau und leicht verständlich beschrieben, zu Beginn bekommt man eine genau „Einkaufsliste“ der benötigten Materialien. Leider beschränkt sich das Buch auf die Garne einer bestimmten Marke, mit persönlich fehlen die Garnalternativen. Mir selbst ist es dank meiner Strickerfahrung möglich, selbst danach zu suchen, aber als Anfänger ist man hier doch ein wenig aufgeschmissen, falls das eine oder andere Garn nicht erhältlich ist. Das ist dann aber auch schon mein einziger Kritikpunkt an diesem tollen Buch.

Meine erste Mütze war – trotz mittlerweile frühlingshafter Temperaturen – übrigens die Waldohreule; die Wolle für zwei weitere Mützen ist unterwegs. Erfolgreich infiziert, würde ich sagen.







Broschiert: 80 Seiten
Erschienen bei Frech Verlag
Februar 2013
ISBN: 978-3-7724-6330-3
4sterne




Einen herzlichen Dank an den Frech Verlag für die Bereitstellung von Animal Hats – und einen ebenso herzlichen Dank an Blogg dein Buch - für die “Vermittlung”.

✰ Camilla Läckberg – Der Leuchtturmwärter

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Patrik Hedström und seine Frau Erika Falck sind erneut Eltern geworden, von Zwillingen. Alleine damit hätten sie schon alle Hände voll zu tun, doch Patrik muss und will wieder in den Polizeidienst zurück – und so bleibt Erika nichts anderes übrig als sich in ihr Schicksal als Hausfrau und Mutter zu fügen. Dabei ist sie doch eigentlich Schriftstellerin – ein neuer Roman wartet.  Sie findet noch nicht einmal die Zeit, um ihre alte Schulfreundin Annie zu besuchen, die vor kurzem auf eine kleine Insel vor Fjällbacka gezogen ist.

Dann passiert ein Mord. Ausgerechnet Mats, Annies erste und große Liebe wird brutal ermordet. Aber wieso ermordet jemand Mats? Er war beliebt, nie auffällig, immer nett und hat sich in seiner Freizeit sozial engagiert. Wer ermordet denn so jemanden – oder hatte Mats vielleicht doch ein dunkles Geheimnis?

Der Leuchtturmwärter ist Camilla Läckbergs mittlerweile siebter Fall um das sympathische Ermittlerehepaar Patrik und Erika. Wie kann es eigentlich sein, dass in einem kleinen Ort wie Fjällbacka und seiner Umgebung so viele Verbrechen geschehen? Die Morde scheinen dort – zum Glück für mich als Leser – nie auszugehen; die Personen mittlerweile so bekannt, dass man sie gar nicht mehr groß vorstellen muss. Ich kann mich geradewegs ins Krimilesevergnügen fallen lassen.

Das Besondere an den Krimis von Camilla Läckberg ist für mich aber die Vielschichtigkeit, mit der sie erzählt und ihren Figuren eine Stimme gibt. Ein Mord ist nie nur ein Mord, es gibt immer auch Nebenschauplätze, die auf den ersten Blick gar nicht ins Bild passen und sich dann später erst zu einem vollständigen Bild zusammensetzen lassen. Auch die privaten Episoden werden so nie langweilig, weil sie dazu gehören; ohne sie würde etwas fehlen.

In Der Leuchtturmwärter steht neben den Mordermittlungen besonders Erika im Mittelpunkt; ihr Alltag mit den Zwillingen und ihre gleichzeitigen Bemühungen, trotzdem in die Ermittlungen einzugreifen und somit wieder ins Leben außerhalb der eigenen vier Wände zurück zu finden. Ab und an nimmt dieser Aspekt ein klein wenig zu viel Raum ein – und mehr kann ich wirklich nicht bemängeln, aber ansonsten gelingt die Balance zwischen Krimi und Roman wieder einmal perfekt.

Spannung vom Anfang bis zum – wieder einmal – unerwartetem Ende .







Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Erschienen bei List (Ullstein)
November 2012
Aus dem Schwedischen von Katrin Frey
Originaltitel: Fyrvaktaren
ISBN: 978-3-471-35080-5
4sterne

Blogger schenken Lesefreude – Vorbei. Auslosung.

 

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Zuerst einmal vielen lieben Dank für die vielen Mails. Eigentlich könnte ich jedem ein Buch schenken, so tolle Argumente waren dabei. Aber – ich habe leider nur eins, und weil ich mich da unmöglich entscheiden konnte, musste das Losverfahren her.

Und eine absolut unbestechliche Losfee. Meine heißt Bastian.

welttagdesbuches

 

Gewonnen hat *Trommelwirbel* Susann H. aus Wasserburg. Ihr Argument: ” Weil mein Freund mich zur Zeit nervt und er auch gern liest, darum würde ich das Buch ihm schenken, damit er was tolles zum Lesen hat. Ich würde es natürlich danach auch noch lesen.”

Nervende Freunde gehen natürlich gar nicht, da muss Abhilfe geschaffen werden. Liebe Susann, in den nächsten Tagen geht das Buch auf die Reise zu dir. Herzlichen Glückwunsch!